Kaputtschmunzeln Logo und ein Monster mit vielen Fangarmen und Augen

Das Dingsbums – eine lustige Kurzgeschichte über Alltagschaos

Es geht um ein Dings oder ein Bums. Wer kann das schon so genau sagen?

Das Dingsbums hatte heute keinen guten Tag. Schon am Morgen war ihm aufgefallen, dass eines seiner Tentakel förmlich über Nacht ergraut war. „Na, das fängt ja gut an.“ hatte es gedacht. Dann hat es sich, als wäre nichts gewesen, die Zähne geputzt und wie üblich die Borsten auf der Unterlippe rasiert.

Am Frühstückstisch wurde es mit einem monotonen „Guten Morgen!“ begrüßt. Es setzte sich, belegte zwei Schrippen mit Salami und Gouda und aß drei Tomaten, die es eigens auf dem Balkon züchtete. Die Tomaten waren recht klein, weil der Balkon nur wenig Sonne abbekam.

„Gibt es etwas Neues, Schatz?“ fragte das Dingsbums.

Ohne die Zeitung wegzulegen, gab die so Angesprochene Antwort: „Nichts besonderes. In Schnepfingen wurde eine Bank ausgeraubt und der Koalitionsvertrag der Regierung ist an der Uneinigkeit über Steuererhöhungen gescheitert. Jetzt soll es Neuwahlen geben.“

„Das dachte ich mir schon.“ sagte das Dingsbums und schüttete sich Milch in seinen Tee und zwei Stück Zucker.

Es war ein ganz normales Frühstück, das wie jeden Morgen damit endete, das man sich einen schönen Tag wünschte und das Dingsbums schließlich das Haus in Richtung Auto verließ, um zur Arbeit zu fahren.

Auf der Treppe begegnete es Frau Rübesam, die an jedem Montag, die Treppe sauber machte. Anfangs schimpfte sie immer, weil es ihr natürlich nicht gefiel, dass das Dingsbums ihr frisch geputztes Treppenhaus mit dieser stinkenden Schleimschicht überzog. Mittelerweile verdrehte sie nur noch die Augen und fing mit dem Putzen wieder von vorne an.

Das Dingsbums murmelte ein paar entschuldigende Worte und war schon zur Haustür hinaus verschwunden. Heute musste es drei Straßen weiter bis zum Auto gehen, weil es gestern Abend einfach keinen Parkplatz gefunden hatte und auf dem Weg zum Auto trat es noch mit einem der linken Beine in einen Hundehaufen. „So ein Mist.“ kommentierte es, wischte den Kot an der Stoßstange eines parkenden Autos ab. Daraufhin ging der Alarm des Wagens los und das Dingsbums eilte schnell weiter.

Am Auto angekommen zwängte es sich durch die für seinen massigen Körper viel zu enge Fahrertür und nahm auch auf dem Fahrersitz Platz. Die Handbremse hatte es schon nach der ersten Fahrt ausgebaut, weil diese immer so unangenehm in sein massiges Gesäß gepiekst hatte.

Die Fahrt war im wesentlichen ereignislos geblieben. Nur als es in die Heidestraße abbog, hätte es fast einen Zusammenstoß mit einem Radfahrer gegeben. Dieser zeterte aufgeregt: „Verdammter Kerl. Eines von deinen 30 Augen hätte mich doch sehen müssen.“ Aber das Dingsbums hörte das nicht mehr, denn es war schon weiter gefahren.

Im Büro grüßten die Kollegen freundlich. Anfangs hatten sie noch die Nase gerümpft. Der Gestank des Dingsbums hatte ihre Nasen beleidigt. Aber nachdem der Chef festgestellt hatte, dass die Tentakelarme sich hervorragend für die Bürotätigkeit eigneten und das Dingsbums bei gleichem Lohn fünfmal so viel schaffte wie die anderen, hatte er Mobbing gegen das Dingsbums unter Strafe gestellt.

Frläulein Friedrichs konnte es sogar richtig ein bisschen leiden. Sie war die einzige, die sich mit ihm unterhielt. Sie hatte anscheinend nichts dagegen, dass das Dingsbums nicht so gewöhnlich war wie die anderen Kollegen. Aber heute hatte sich Fräulein Friedrichs krank gemeldet. Das Dingsbums hatte sich noch nie krank melden müssen. Die hiesigen Viren und Bakterien waren anscheinend mit ihm nicht kompatibel.

Das Dingsbums verrichtete seine Tätigkeit, machte ab und an Pause und ging in den Raucherraum, um die neuesten Gerüchte aufzuschnappen. Es war ein langweiliger Bürotag. Exakt um 16 Uhr fuhr es den Computer runter, steckte seine Karte in das Lesegerät, welche seine Arbeitszeit festhielt und trottete die Treppe hinunter. Endlich war Feierabend.

Und irgendwo da, auf einem Treppenabsatz muss es dann wohl passiert sein. Das Dingsbums hatte zwar gesehen, dass die Fliesenoberflächen so seltsam schimmerten, aber es hatte sich nichts dabei gedacht. Als es dann die Fliesen betrat, wurde es in sie hineingesaugt und durch den Boden hindurch geleitet in eine Art Tunnel aus Licht. Und durch diesen Tunnel schoss das Dingsbums nun in einer irrsinnigen Geschwindigkeit, wobei es die Aktentasche fallen ließ.

Aber das Dingsbums hatte gar nicht lange Zeit, sich über dieses Geschehen zu wundern, da war die Fahrt auch schon wieder vorbei und es wurde aus dem Tunnel heraus katapultiert. Es landete auf einem Ding, das Ähnlichkeiten hatte mit einem Sandsack. So war die Landung relativ weich.

Es hatte auch keine Gelegenheit, sich von diesem Ritt zu erholen. Denn gleich umgab es ein Geschrei, der wie Jubel klang. Es blickte sich staunend um. Da waren etliche Dingsbumse jeglicher Form und Abstammung. Ein grüner Ball mit Augen so groß wie Turmuhren glotzte ihn begeistert an, wobei diesem Ball eine lilafarbene Zunge weit aus dem grinsenden Mund hing. Ein anderes Dingsbums hatte zwölf Arme, manche davon hielten Cocktailgläser, zwei andere schlugen mit Stöcken wild auf einer Trommel ein, wieder andere klatschten in die Hände.

Ein Dingsbums hatte Ähnlichkeiten mit einer riesigen Stabheuschrecke, wobei die Bindeglieder vielfältig miteinander verbunden und verknotet waren. Ein langgezogener Kopf reckte sich dem Neuankömmling entgegen und rief: “Hey Barnie, da bist du ja wieder. Wir haben dich vermisst, als du damals in dieses Wurmloch gefallen bist. Du hast eine Menge versäumt. Sieh nur, was aus unserer kleinen Stadt geworden ist!“ Damit deutete das Dingsbums auf die im Hintergrund befindliche Szenerie. Ein gigantischer Wust aus Gebilden, die allesamt in Bewegung zu sein schienen.

Es waren knallbunte Gebäude, die durch Rutschen miteinander in Verbindung standen. Über die Rutschen sausten in schnellem Tempo irgendwelche Dingsbumse von Gebäude zu Gebäude. In diesen angekommen fingen sie mit Tätigkeiten an, die ausgelassener nicht sein konnten. Hier gab es einen riesigen Turm aus einem Bällebad, in dem die Dingsbumse drin herum tollten und nur ab und zu an der Oberfläche auftauchten.

Dort gab es einen massigen Block aus Pudding, der schon halb von seinen Insassen aufgegessen worden war und in sich zusammenzufallen drohte. Weiter hinten war ein dreieckiges Gebäude aus Licht, das in den buntesten Farben blinkte. Und überall kreischten und johlten die Dingsbumse herum.

„Komm schon Barnie,“ rief die Stabheuschrecke gegen den Lärm. „Lass uns doch mal ein bisschen amüsieren gehen.“ Mit diesen Worten griff er sich eine nahe stehende Tonne mit einer blubbernden Flüssigkeit, nahm einen hastigen Schluck aus einem dicken Strohhalm und zerrte Barnie, der noch imnmer ein bisschen benommen war, hinter sich her.

Die umstehenden Dingsbumse folgten unter Johlen und Kreischen und wenig später waren sie alle zwischen den Gebäuden im Trubel verschwunden.


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